Bronchialkarzinom Aktuell

Obere Einflußstauung (Vena cava superior-Syndrom)

Die obere Einflußstauung wird heute in über 90 % durch Malignome verursacht, dabei ist das Bronchialkarzinom in ca. 80 % verantwortlich. Etwa 3-5 % der Patienten mit Bronchialkarzinom erleiden eine obere Einflußstauung. Diese Zahl ist bei rechtsseitiger Lokalisation des Tumors höher als bei linksseitigen Tumoren. Klinisch manifestiert sich eine obere Einflußstauung bei rasch wachsenden Tumoren, d.h. vor allem beim kleinzelligen und beim undifferenzierten Adeno-Karzinom der Lunge, da sonst zahlreiche Kollateralwege, die vor allem in die Vena cava inferior drainieren, bestehen. Klinisch beklagt der Pat. vor allem Kopfschmerzen, Dyspnoe, Husten sowie eine Gesichtsschwellung. Bei der körperlichen Untersuchung fällt eine Phlethora, Zyanose, ein periorbitales Ödem und dilatierte Hals- und Hautvenen auf.

Die Diagnose wird klinisch gestellt. Zur Therapievorbereitung sind eine transthorakale Echokardiographie (zum direkten Tumornachweis sowie zum Ausschluß Perikarderguß) und evtl. eine Duplexsonographie zur Quantifizierung der Flußbehinderung möglich. Der diagnostische Standard ist die thorakale CT mit Kontrastmittel. Darüberhinaus kann eine Cavographie, die auch der Stenteinlage dienen kann, durchgeführt werden. Die Mediastinoskopie gilt aufgrund des erhöhten Blutdruckrisikos als komplikationsträchtig, auch wenn in großen Serien lebensbedrohliche Komplikationen selten blieben.

Die obere Einflußstauung ist immer ein Notfall, der eine rasche diagnostische Klärung erfordert, akute Todesfälle sind jedoch selten. Die Initialtherapie besteht aus Oberkörperhochlagerung und ggf. Sauerstoffgabe. Die Wirksamkeit von Steroiden ist umstritten, Diuretika sind kontraindiziert. Im Vordergrund steht die Therapie der Grunderkrankung, z.B. mittels Radiatio oder Chemotherapie. Diese Therapie spricht in etwa 70 % der Fälle, meist nach 3-7 Tagen an. Bei ausgeprägter oberer Einflußstauung ist auch die Implantation eines selbst expandierbaren Maschendrahtstents (z.B. Wallstent) in die V. cava möglich, die symptomatisch in 90 % der Fälle wirksam ist.

Röntgenbilder

Röntgen Thorax - Kleinzelliges Bronchialkarzinom, Stadium T3 im rechten Oberlappen

Staging

Bei radiologischem Tumorverdacht kann in ca. 70% der Fälle bronchoskopisch ein Tumor histologisch gesichert werden.

Neue Therapiensätze

Neben den beiden im letzten Jahr neu zugelassenen Substanzen zur Therapie des Nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms Erlotinib – Tarceva® und Pemetrexed ...