Bronchialkarzinom Aktuell

Erlotinib

Der oral applizierbare EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor)-Inhibitor Erlotinib wurde beim fortgeschrittenen oder metastasierten NSCLC zunächst zur Therapie von Patienten zugelassen, bei denen mindestens eine vorausgegangene Chemotherapie versagt hat (Rezidivtherapie). 5 Jahre später folgte die Zulassung zur Erhaltungstherapie bei Patienten, deren Krankheitszustand nach 4 Behandlungszyklen einer Platin-haltigen First-Line-Chemotherapie unverändert ist. 2011 wird die Zulassung zur First-Line-Therapie bei Patienten mit aktivierenden Mutationen des EGF-Rezeptors erwartet.

Erlotinib als First-Line-Therapie

Den Nutzen des EGFR-Inhibitors bei Chemotherapie-naiven Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC und Nachweis aktivierender EGFR-Mutationen zeigten die beiden Phase-III-Studien OPTIMAL und EURTAC.

In der in Europa durchgeführten EURTAC-Studie erhielten kaukasische Patienten im Stadium IIIB/IV und Nachweis einer aktivierenden EGFR-Mutation (Exon-19-Deletion oder Exon-21-L858R-Mutation) als First-Line-Therapie Erlotinib oder eine Platin-basierte Dublette.

Die Auswertung zum Stichtag 26.1.2011 zeigte für die mit Erlotinib behandelten Patienten einen statistisch signifikanten Vorteil im progressionsfreien Überleben (primärer Studienendpunkt). Bei einer Abnahme des Progressionsrisikos um 63% (HR 0,37; p<0,0001) war das mediane progressionsfreie Überleben im Erlotinib-Arm fast doppelt so lang wie im Chemotherapie-Arm (9,7 vs. 5,2 Monate). Die Daten zum Gesamtüberleben waren noch nicht aussagekräftig.1

Zuvor hatten bereits die Ergebnisse der OPTIMAL-Studie die Überlegenheit des oralen EGFR-Inhibitors beim EGFR-mut+ NSCLC gezeigt. In dieser Phase-III-Studie wurden asiatische Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC und Nachweis einer Exon-19-Deletion oder Exon-21-L858R-Mutation in der ersten Therapielinie mit Erlotinib oder Gemcitabin/Carboplatin behandelt.

Die erste 2010 veröffentlichte Interimsanalyse zeigte eine Verlängerung des medianen progressionsfreien Überlebens (primärer Studienendpunkt) von 4,6 Monaten (Chemotherapie) auf 13,1 Monate (Erlotinib).2 Bestätigt wurden die Ergebnisse durch eine 2011 publizierte Analyse, in der Erlotinib das Progressionsrisiko im Vergleich zur Chemotherapie um 86% (HR 0,16; p<0,0001) verringerte, wobei das mediane PFS um 9,1 Monate verlängert wurde (13,7 vs. 4,6 Monate).3

 

Literatur

1 Rosell R et al. ASCO 2011, J Clin Oncol 2011;29 (Suppl. Abstr. 7503)

2 Zhou C et al. ESMO 2010, Abstr. LBA13

 3 Zhou C et al. ASCO 2011, J Clin Oncol 2011;29 (Suppl. Abstract 7520)


 

 

Erlotinib als Erhaltungstherapie

Die Wirksamkeit von Erlotinib als Erhaltungstherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, die nach einer First-Line-Therapie mit 4 Zyklen einer Platin-haltigen Dublette nicht progredient waren, wurde in der placebokontrollierten Phase-III-Studie SATURN untersucht.

Der EGFR-Inhibitor verringerte im Gesamtkollektiv das Risiko einer Progression (primärer Endpunkt) statistisch signifikant um 29% (HR 0,71; p<0,0001) und verbesserte das mediane Gesamtüberleben (ab Randomisierung in die Erhaltungstherapie gemessen) von 11,0 (Placebo) auf 12,0 Monate (Erlotinib).1

Bei Patienten, die unter der Platin-haltigen Dublette eine Krankheitsstabilisierung erreicht hatten (SD-Patienten), reduzierte Erlotinib das Progressionsrisiko um 32% (HR 0,68; p<0,0001). Das Mortalitätsrisiko wurde in dieser Gruppe statistisch signifikant um 28% reduziert (HR 0,72; p=0,0019), während das mediane Gesamtüberleben (gemessen ab Zeitpunkt der Randomisierung in die Erhaltungstherapie) von 9,6 Monaten auf 11,9 Monate zunahm.2

Ein Überlebensvorteil durch die Erlotinib-Erhaltung war bei SD-Patienten unabhängig von der Tumorhistologie zu sehen und auch bei Patienten mit nicht mutiertem EGFR-Gen (EGFR-Wildtyp) statistisch signifikant (12,4 vs. 8,7 Monate; p=0,0041).

 

Literatur

1 Cappuzzo F et al. Lancet Oncol 2010;11:521-529 

2 Coudert B et al. Ann Oncol 2011 May 24 [Epub ahead of print] 

 

Erlotinib als Rezidivtherapie

Den Benefit von Erlotinib bei chemotherapeutisch vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC (Stadium IIIB/IV) zeigte zuerst die placebokontrollierte Phase-III-Studie BR.21. Bei einer statistisch signifikanten Abnahme des Mortalitätsrisikos um 30% (HR 0,70; p<0,001) verlängerte der EGFR-Inhibitor das als primärer Endpunkt definierte Gesamtüberleben von 4,7 Monaten (Placebo) auf 6,7 Monate (Erlotinib). Vorteile des oral applizierbaren EGFR-Inhibitors zeigten sich auch beim Therapieansprechen, progressionsfreien Überleben und der Lebensqualität der Patienten.1, 2 

 

Literatur

1 Shepherd FA et al. N Engl J Med 2005;353:123-132 

2 Bezjak A et al. J Clin Oncol 2006;24:3831-3837