Bronchialkarzinom Aktuell

Gefitinib

Der oral applizierbare EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor)-Inhibitor Gefitinib wurde für die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC und Nachweis aktivierender Mutationen der EGFR-Tyrosinkinase zugelassen. Den Nutzen des EGFR-Inhibitors als First-Line-Therapie bei asiatischen Patienten mit aktivierenden EGFR-Mutationen zeigten die beiden Phase-III-Studien IPASS und NEJ002.

IPASS

Für die in Ostasien durchgeführte IPASS-Studie wurden Patienten rekrutiert, bei denen aufgrund der Herkunft (Asiaten), Tumorhistologie (Adenokarzinom) und des Raucherstatus (Nichtraucher oder frühere Wenig-Raucher) mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen aktivierender EGFR-Mutationen zu rechnen war. Als First-Line-Therapie erhielten die Patienten Gefitinib oder Carboplatin/Paclitaxel. Primärer Studienendpunkt war das progressionsfreie Überleben.1

Die erste Interimsanalyse zeigte im Gesamtkollektiv eine statistisch signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (HR für Progression oder Tod: 0,74; p<0,001). Patienten mit aktivierenden EGFR-Mutationen profitierten deutlich stärker von dem EGFR-Inhibitor (HR für Progression oder Tod: 0,48; p<0,001); Patienten ohne aktivierende EGFR-Mutationen hatten dagegen einen größeren Nutzen von der Chemotherapie (HR für Progression oder Tod: 2,85; p<0,001).

Die Überlebensdaten des Gesamtkollektiv zeigten dagegen keinen signifikanten Unterschied (HR 0,91; 95% KI 0,76-1,10).

Die 2010 präsentierten finalen Überlebensdaten zeigten für das Gesamtkollektiv ebenfalls keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Therapieansätzen (HR 0,90; 95% Ki 0,86-1,63; p=0,309).

Subgruppen-Analysen zufolge war auch bei Patienten mit Nachweis aktivierender EGFR-Mutationen kein statistisch signifikanter Überlebensvorteil durch Gefitinib zu sehen. In dieser Subgruppe betrug das mediane OS unter Gefitinib 21,6 Monate, unter Carboplatin/Paclitaxel 21,9 Monate. Als Grund für den fehlenden Überlebensvorteil durch Gefitinib wird die hohe Crossover-Rate vermutet.

Die Überlebenszeit bei Patienten ohne aktivierende EGFR-Mutationen war in beiden Therapiearmen mit 11,2 Monaten (Gefitinib) bzw. 12,7 Monaten (Chemotherapie) deutlich kürzer.2

 

Literatur

1 Mok T et al. N Engl Med 2009;361:947-957

2 Yang CH et al. ESMO 2010, Vortrag/Abstract LBA2

NEJ002

In der in Japan durchgeführten Studie NEJ002 erhielten asiatische Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und nachgewiesenen aktivierenden EGFR-Mutationen eine First-Line-Therapie mit Gefitinib oder Carboplatin/Paclitaxel.

Nachdem eine geplante Interimsanalyse (Cut-off: Mai 2009) einen statistisch signifikanten Vorteil im progressionsfreien Überleben (primärer Studienendpunkt) gezeigt hatte (medianes PFS: 10,8 vs. 5,4 Monate; HR 0,30; p<0,001), wurde die Studie vorzeitig beendet. Zu diesem Zeitpunkt betrug das mediane Gesamtüberleben (OS) im Gefitinb-Arm 30,5 Monate, im Chemotherapie-Arm 23,6 Monate (p=0,31).1 

Bei der finalen Analyse (cutt-off: November 2010) betrug unter Gefitinib das mediane OS 27,7 Monate und die 2-Jahres-Überlebensrate 57,9%; unter Carboplatin/Paclitaxel belief sich das mediane OS auf 26,6 Monate und die 2-Jahresüberlebensrate auf 53,7% (HR 0,887; p=0,4883).2

Auch Subgruppenanalysen zeigten keinen signifikanten Überlebensvorteil durch Gefitinib. Als Grund hierfür wird ebenfalls die hohe Crossover-Rate nach Versagen der First-Line-Therapie vermutet.

 

Literatur

1 Maemondo M et al. N Engl J Med 2010;362:2380-2388 

2 Inoue A et al. ASCO 2011, J Clin Oncol 2011;29 (Suppl. Abstract 7519)