Bronchialkarzinom Aktuell

Indirekte VEGF-Inhibitoren

Niedermolekulare, oral applizierbare VEGFR (Vascular Endothelial Growth Factor Receptor)-Tyrosinkinase-Inhibitoren (VEGFR-TKI) wurden beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) sowohl in der First-Line-Therapie als auch in der Second-Line-Therapie untersucht. In den bei nicht selektionierten Patienten bisher durchgeführten Phase-III-Studien konnte durch Zugabe indirekter VEGF-Inhibitoren zu einem Kontrollregime keine Verbesserung des Gesamtüberlebens gezeigt werden.

First-Line-Therapie mit VEGFR-TKIs

Sorafenib

Der oral applizierbare Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor (Multi-TKI) Sorafenib (Nexavar®) hemmt selektiv die Rezeptor-Tyrosinkinasen von VEGFR-2 und VEGFR-3, PDGFR (Platelet-Derived Growth Factor Receptor)-ß, c-Kit (Stammzellfaktor-Rezeptor) und FLT-3 (Fms-Like Tyrosine kinase-3).

In den beiden Phase-III-Studien ESCAPE und NEXUS, in denen Sorafenib bei unselektionierten Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC zusätzlich zu Carboplatin/Paclitaxel (ESCAPE) bzw. Gemcitabin/Cisplatin (NEXUS) gegeben wurde, war im Vergleich zur Platin-haltigen Dublette kein Überlebensvorteil zu sehen.1, 2


Motesanib

Der oral applizierbare Multi-TKI Motesanib hemmt selektiv die Rezeptor-Tyrosinkinasen von VEGFR-1, -2 und -3, PDGFR und c-Kit.

Die Ergebnisse der Phase-III-Studie MONET1, in der bei Patienten mit fortgeschrittenem, nicht-squamösem NSCLC die Zugabe von Motesanib zu Carboplatin/Paclitaxel untersucht wurde, zeigten ebenfalls keinen statistisch signifikanten Überlebensvorteil.3

 

Literatur

1 Hanna NH at al. J Thorac Oncol 2008;3 (Suppl. 4) S268

2 Gatzemeier U et al. Ann Oncol 2010;21 (Suppl. 8) LBA16

3 Scagliotti G et al. ASCO 2011, J Clin Oncol 2011;29 (Suppl. Abstr. LBA7512)

Second-Line-Therapie mit VEGFR-TKIs

 

Vandetanib

Der oral verfügbare Multi-TKI Vandetanib hemmt die Tyrosinkinasen von VEGFR-2 und VEGFR-3, RET (REarranged during Transfection) und EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor).

In den Phase-III-Studien, in denen bei chemotherapeutisch vorbehandelten Patienten Vandetanib mit Pemetrexed (ZEAL) bzw. Docetaxel (ZODIAC) kombiniert wurde, verbesserte die Zugabe des VEGFR-TKI zwar statistisch signifikant die Ansprechrate, verlängerte aber nicht das Gesamtüberleben im Vergleich zur Monotherapie mit den zur Second-Line-Therapie zugelassenen Chemotherapeutika Pemetrexed bzw. Docetaxel.1,2

In der Phase-III-Studie ZEST, in der bei chemotherapeutisch vorbehandelten Patienten Vandetanib als Monotherapie mit dem zur Second-Line-Therapie zugelassenen EGFR-Inhibitor Erlotinib verglichen wurde, zeigten sich weder beim Ansprechen noch beim Gesamtüberleben Vorteile für den Multi-TKI.3

 

Sunitinib

Der oral applizierbare Multi-TKI Sunitinib (Sutent®) hemmt die Tyrosinkinase von VEGFR-1, -2 und -3, PDGFR-α und -ß, c-Kit und RET.

In einer placebokontrollierten Phase-III-Studie, die bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC in der 2. oder 3. Therapielinie die Kombination von Sunitinib/Erlotinib mit der Erlotinib-Monotherapie verglich, hatten unselektionierte Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC (Stadium IIIB/IV) ebenfalls keinen Überlebensvorteil durch die Multi-Tyrosinkinase-Inhibition.4

 

Literatur

1 De Boer R et al. ASCO 2009, J Clin Oncol 2009;27:15s (Suppl. Abstr. 8010)

2 Herbst RS et al. ASCO 2009, J Clin Oncol 2009;27:18s (Suppl. Abstr. CRA8003)

3 Natale RB et al. ASCO 2009, J Clin Oncol 2009;27:15s (Suppl. Abstr. 8009)

4 Scagliotti GV et al. ESMO 2010, Ann Oncol 2010;21 (Suppl. 8) LBA6