Bronchialkarzinom Aktuell

Bei Tumorschmerzen eingesetzte Medikamente

Nicht-steroidale anti-inflammatorische Substanzen (NSAD). Gute analgetische, antipyretische und antiphlogistische Wirkung. Ind.: v.a. Kopf-, Skelett- und Muskelschmerzen, Thrombophlebitiden, Abszesse, Tumorschmerzen (Periostschmerz, Kapselspannungsschmerz, entzündliche Begleitreaktionen). NW: Magenbeschwerden, Ulzera, Induktion oder Verstärkung einer Niereninsuffizienz KI: Magenulzera, renale Funktionseinschränkung. Gut wirksam bei Tumorpatienten ist z.B. Metamizol: wirkt analgetisch, antipyretisch und spasmolytisch. Ind.: v.a. bei kolikartigen Schmerzen. Dos.: 4-6 x 500-1000 mg p.o. tägl., 1-2,5 g, max. 5 g/d i.v. (z.B. Novalgin®). Bei i.v.-Gabe langsam injizieren, sonst starke Blutdrucksenkung durch direkte Relaxation der Gefäßmuskulatur, Anaphylaxie. Kurzinfusion bevorzugen. Seltene, aber schwere Nebenwirkungen: Agranulozytose (Inzidenz 1 : 2 Millionen), meist bei i.V.-Applikation.

Tramadol. 4 x 50-100 mg tägl., Retardtbl.: 3 x 300 mg tägl. (z.B. Tramal, Tramal® long). Ca. 50 mg Tramadol entsprechen 10 mg Morphin. Wirkungsdauer 1-3 h bzw. 6-8 h (retardiertes Tramadol). Nebenwirkungen: verursacht von allen Opioiden am ehesten Übelkeit und Erbrechen.

Tilidin-Naloxon. Bis zu 4 x 100 mg tägl. (Valoron N®). Ca. 50 mg Tilidin entsprechen 10 mg Morphin. Schneller Wirkungseintritt, Wirkungsdauer 1-3 h. Durch Zusatz des Antagonisten Naloxon geringeres Mißbrauchspotential.

Codein. Dihydrocodein retard bis zu 2 x 120 mg tägl. (z.B. DHC 60/90/120® Retardtbl.). Ca. 100 mg DHC entsprechen 10 mg Morphin. Wirkungsdauer 8-12 h. Nebenwirkungen: verursacht von allen Opioiden am ausgeprägtesten Obstipation.

Pethidin (BtM). Bis zu 5 x 100 mg tägl. (z.B. Dolantin®). Ca. 75-100 mg Pethidin entsprechen 10 mg Morphin. Wirkungsdauer 3-4 h.

Morphin (BtM). Nicht retardiertes Morphin, retardiertes Morphin. Titrieren bis zur Schmerzfreiheit bzw. geringer, tolerabler Intensität. Keine Obergrenze der analgetischen Wirksamkeit (Ceiling-Effekt), Limitierung durch Nebenwirkungen.

Buprenorphin (BtM). Bis zu 4 x 0,4 mg p.o., bis zu 4 x 0,3 mg i.m., i.v. (z.B. Temgesic, Temgesic® forte). Ca. 0,3-0,4 mg Buprenorphin entsprechen 10 mg Morphin. Ind.: Pat. mit Schluckstörungen wegen sublingualer Resorption. Nicht mit Naloxon (Narcanti®) antagonisierbar. Wirkungsdauer oral 4-6 h.

Piritramid (BtM). 6 x 15-30 mg tägl. (z.B. Dipidolor®). Ca. 15 mg Piritramid entsprechen 10 mg Morphin. Häufig postop. eingesetzt. Wirkungsdauer 4-6 h.

Fentanyl (BtM). In transdermaler Applikation (Fentanyl TTS: z.B. Durogesic® 25/50/75/100 ug/h = Pflaster à 2,5/5,0/7,5/10,0 mg Fentanyl) bei Tumorschmerzen und Problemen mit oraler und rektaler Applikation, als Alternative zu anderen Substanzen der Stufe 3 (WHO-Schema). Relativ teure Therapie. Wirkungsweise: Anfluten über 12 h, dann gleichmäßige Wirkspiegel im Plasma. Wirkung über 72 h, danach Pflasterwechsel. Anwendung: zunächst stationäre Phase der individuellen Dosisfindung erforderlich. Fentanyl-Pflaster nach Umrechnung der bisherigen Morphindosis (ermittelte Tagesdosis von retardiertem oralem Morphin x 0,01 oder Fentanyl i.v. x 1,5 = Tagesdosis Fentanyl TTS) oder kleinstmögliche Größe auswählen und aufkleben. Über 12 h Vormedikation beibehalten. Zusatzmedikation bei Bedarf verabreichen (Fentanyl, Morphin). Nach 3 Tagen je nach erforderlicher Gesamt- Tagesmenge an Analgetika beim Pflasterwechsel ggf. Dosisanpassung des Pflasters. Pflaster auf unbehaartes Gebiet von Brust oder Rücken kleben. Baden, Duschen, Schwimmen mit Pflaster möglich.
! Hitze steigert die Resorption. Mehrere Pflaster sind gleichzeitig möglich, Zerschneiden und Verkleinern der Pflaster jedoch nicht.

Stadienadaptierte Schmerztherapie nach WHO:

Stufe I nach WHO
Paracetamol 4–6 x 500–1.000 mg
Acetylsalicylsäure 4–6 x 500–1.000 mg
Naproxen 2 x 500 mg
Diclofenac retard 2 x 50–150 mg
Metamizol 4–6 x 500–1.000 mg

Stufe II nach WHO
Dihydrocodein retard 2–3 x 60–180 mg
Tramadol retard 2–3 x 100–300 mg
Tilidin-Naloxon retard 2–3 x 100–200 mg

Stufe III nach WHO
Morphin 6 x 5–500 mg
Morphin retard 2–3 x 10–500 mg
Morphin retard II 1–2 x 20–500 mg
Buprenorphin 3–4 x 0,2–1,2 mg
Fentanyl TTS 0,6–12 mg (transdermal!)
Oxycodon retard 2–3 x 10–400 mg
Hydromorphon retard 2–3 x 4–200 mg

Weitere Informationen im PDF Format:

Empfehlungen zur Therapie von Tumorschmerzen (PDF)
Ausführliche Broschüre der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
Opioid- Umrechnungstabelle (PDF)

Röntgenbilder

Röntgen Thorax - Kleinzelliges Bronchialkarzinom, Stadium T3 im rechten Oberlappen

Staging

Bei radiologischem Tumorverdacht kann in ca. 70% der Fälle bronchoskopisch ein Tumor histologisch gesichert werden.

Neue Therapiensätze

Neben den beiden im letzten Jahr neu zugelassenen Substanzen zur Therapie des Nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms Erlotinib – Tarceva® und Pemetrexed ...