Bronchialkarzinom Aktuell

Lambert-Eaton Syndrom

Die primäre physiologische Störung beim Lambert-Eaton Syndrom (in der Literatur abgekürzt als Lambert-Eaton Syndrom = Lambert-Eaton Myasthenic Syndrome) liegt in einer verminderten Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin aus den Nervenendigungen in den synaptischen Spalt.

Pathophysiologie

Ursache für diesen präsynaptischen Defekt sind Autoantikörper gegen ein Membranprotein der Nervenzelle, nämlich den spannungsabhängigen Calcium-Kanal (in der Literatur abgekürzt als VGCC = voltage gated calcium channel). Diese Kanäle werden auch als aktive Zone der präsynaptischen Membran bezeichnet. Bei einer Depolarisation der präsynaptischen Membran strömt Calcium durch diese Kanäle in die Nervenzelle ein und bewirkt dort die Freisetzung von Acetylcholin aus den Vesikeln. Die Autoantikörper beim Lambert-Eaton Syndrom führen zu einer Quervernetzung der Kanäle mit anschließender Internalisierung und Degradation. Dadurch vermindert sich die Zahl dieser Kanäle und damit auch die Ausschüttung von Acetylcholin. Die Folge ist eine Unterbrechung des Nervenimpulses an die neuromuskuläre Endplatte der Muskelzelle, was schließlich zu den typischen myasthenen Syndromen führt. Im Gegensatz zur Myasthenia gravis, bei der postsynaptisch der Acetylcholin-Receptor auf der Muskelzelle durch Autoantikörper blockiert und unter Aktivierung von Komplement auch zerstört wird, findet der Autoimmunprozess beim Lambert-Eaton Syndrom auf präsynaptischer Ebene statt.

Klinik
Beim Lambert-Eaton Syndrom entwickelt sich im Verlauf der Erkrankung eine rasche Ermüdbarkeit bei körperlicher Belastung verbunden mit einer Schwäche vor allem der Oberschenkel- und Beckenmuskulatur. Die Folgen sind Schwierigkeiten initial beim Treppensteigen, Behinderungen beim Gehen oder Aufstehen aus einer sitzenden Position. Die oberen Extremitäten sind meist weniger betroffen. Manchmal findet sich eine milde Ptose. Die Schlund/Rachenmuskulatur ist in der Regel nicht, die Atemmuskulatur nur gelegentlich betroffen. Weitere Beschwerden können autonome Störungen wie Sehstörungen infolge von Akkommodationsbeeinträchtigung, Mundtrockenheit, verminderte Schweiß- und Tränensekretion, Verstopfung und Impotenz sein.Charakteristisch für das Lambert-Eaton Syndrom ist bei der körperlichen Untersuchung eine Zunahme der Muskelkraft während der ersten Sekunden einer Belastung gefolgt von einer raschen Ermüdungsreaktion. Die Muskeleigenreflexe sind fast immer abgeschwächt oder nicht mehr auslösbar, zeigen aber nach maximaler Willkürinnervation für einige Sekunden eine deutliche Verstärkung. Die typischen Symptome des Lambert-Eaton Syndrom ähneln sehr stark den generalisierten Symptomen der Myasthenia gravis, so daß häufig das Lambert-Eaton Syndrom zunächst als Myasthenia gravis fehldiagnostiziert wird. Im Elektro-Myogramm (EMG) zeigt sich jedoch im Gegensatz zum normalen Muskel und zur Myasthenia gravis eine Zunahme der Muskelaktivität bei repetitiver Reizung.

Das Lambert-Eaton Syndrom ist häufig als paraneoplastisches Syndrom mit einem kleinzelligen Bronchialkarzinom assoziiert. Es kann aber auch idiopatisch ohne eine maligne Erkrankung auftreten. Das Alter der Patienten liegt meist zwischen 50 und 70 Jahren. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Ein Drittel der Patienten weist entweder selbst oder innerhalb der Familie eine weitere organspezifische Autoimmunerkrankung auf. Beobachtet werden insbesondere autoimmunbedingte Schilddrüsenerkrankungen, perniziöse Anämie, Zöliakie und juveniler Diabetes.

Röntgenbilder

Röntgen Thorax - Kleinzelliges Bronchialkarzinom, Stadium T3 im rechten Oberlappen

Staging

Bei radiologischem Tumorverdacht kann in ca. 70% der Fälle bronchoskopisch ein Tumor histologisch gesichert werden.

Neue Therapiensätze

Neben den beiden im letzten Jahr neu zugelassenen Substanzen zur Therapie des Nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms Erlotinib – Tarceva® und Pemetrexed ...