Bronchialkarzinom Aktuell

Vorgehen bei Paravasaten

Paravasate entstehen, wenn Zytostatika versehentlich außerhalb des punktierten Blutgefäßes in das umgebende Gewebe dringen. Behandlungsbedürftige Paravasate können prinzipiell durch alle Chemotherapeutika verursacht werden, wobei manche Zytostatika oft schlimme Nekrosen setzen.
Aus diesem Grund ist die Prüfung der genauen Lage des Zugangs mittels einer Kontrollaspiration vor der Injektion oder Infusion sehr wichtig. Hinweise der Patienten wie Brennen, Schwellungen, Rötungen oder Verhärtungen an der Punktionsstelle können auf eine unkorrekte Lage des Zugangs hindeuten und müssen als Warnhinweise sehr ernst genommen werden.

Cave: Auch bei Ports oder einer intraperitonealen Applikation können Paravasate entstehen.
Bes. gefährlich: Vincristin, Vinblastin, Adriamycin, Etoposid, Mitomycin-C.
Hinweis: Paravasate von Cyclophosphamid und Ifosfamid sind relativ harmlos.


Allgemeine Sofortmaßnahmen

Injektion/Infusion sofort stoppen, i.V.-Zugang zunächst belassen Infusionsleitung oder Spritze vom i.V.-Zugang diskonnektieren Paravasatgebiet auf der Haut markieren soweit möglich Absaugen des Paravasates durch die liegende Kanüle Blasen oder großes Paravasat von allen Seiten aspirieren Spezielle Maßnahmen ergreifen Hochlagern der Extremität, ggf. Behandlung des Erythems mit lokalem Glucocorticoid.

Lokale Kühlung außer bei: Etoposid, Teniposid, Paclitaxel, Vinca-Alkaloiden

Spezielle Maßnahmen

Es sollte immer ein erfahrener Kollege zu Rate gezogen werden!

Carmustin (BCNU)


1. einmalig 1-2 h milde, trockene Wärme, im Einzelfall eine Amp. Hyaluronidase (150 I.E./ml) 1-2 ml s.c. in und um die Paravasatstelle
2. Bei größeren Paravasaten:
lokale Infiltration von einer Mischung aus Natriumthiosulfat 10% und Aqua ad inj. (4:6), ca. 5 ml, kalte Kompressen mind. 24 h

Cisplatin, Oxaliplatin
lokale Infiltration von einer Mischung aus Natriumthiosulfat 10% und Aqua ad inj. (4:6), ca. 5 ml

Anthrazykline
(Doxorubicin = Adriamycin, Idarubicin, Epirubicin, Daunorubicin, Aclarubicin)
DMSO (Dimethylsulfoxid) mit einem Watteträger auftragen und an der Luft trocknen lassen, nicht abdecken, Fläche doppelt so groß wie das betroffene Areal wählen
Anw.: 4-6mal täglich über mehrere Tage
Natriumhydrogencarbonat 8,4 % 2-5 ml nur zur unmittelbaren Sofortbehandlung, CAVE: kann auch selbst nekrotisierend wirken, deshalb nur geringe Mengen applizieren

Etoposid, Teniposid
einmalig 1-2 h milde, trockene Wärme, im Einzelfall eine Amp. Hyaluronidase (150 I.E./ml) 1-2 ml s.c. in und um die Paravasatstelle

Dacarbazin (DTIC); Mitomycin
DMSO (Dimethylsulfoxid) mit einem Watteträger auftragen und an der Luft trocknen lassen, nicht abdecken, Fläche doppelt so groß wie das betroffene Areal wählen
Anw.: 4-6mal täglich über mehrere Tage

Docetaxel
im Einzelfall lokale Anwendung von Glucocorticoiden

Vinca - Alkaloide
(Vincristin, Vinblastin, Vindesin, Vinorelbin)
einmalig 1-2 h milde, trockene Wärme, eine Amp. Hyaluronidase (150 I.E./ml) 1-2 ml s.c. in und um die Paravasatstelle

(Für andere Wirkstoffe existieren keine speziellen Empfehlungen.)

Weitere Maßnahmen:

  • Schmerzbehandlung
  • Beobachtung des Patienten bzw. des Paravasatgebietes
  • Chirurgen zur eventuellen operativen Abtragung des geschädigten Gewebes bzw. späterer Nekrosen (vor allem bei Anthrazyklinen) kontaktieren
  • Dokumentation des Paravasates (Foto) und der durchgeführten Therapie auf standardisiertem Dokumentationsbogen (PDF)

Weitere Informationen im PDF Format 

 »Zytostatika-Paravasate - erkennen, vermeiden und behandeln«  (PDF)
- Merkblatt Justus-Liebig-Universität Gießen
 »Dokumentationsvorlage« (PDF) für Zytostatika Paravasate

Weiterführende Links zum Thema:

Ausführliche Internetseite zu Paravasaten -
http://www.paravasate.at

Röntgenbilder

Röntgen Thorax - Kleinzelliges Bronchialkarzinom, Stadium T3 im rechten Oberlappen

Staging

Bei radiologischem Tumorverdacht kann in ca. 70% der Fälle bronchoskopisch ein Tumor histologisch gesichert werden.

Neue Therapiensätze

Neben den beiden im letzten Jahr neu zugelassenen Substanzen zur Therapie des Nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms Erlotinib – Tarceva® und Pemetrexed ...