Bronchialkarzinom Aktuell

Strahlentherapie bei kleinzelligem Bronchialkarzinom

Das kleinzellige Bronchialkarzinom ist durch eine hohe Sensibilität gegenüber der Radiotherapie ausgezeichnet.

Die Strahlenbehandlung bewies im Verlauf der letzten Dekade im Stadium limited disease ihre Bedeutung als konsolidierende Maßnahme nach erzielter kompletter oder partieller Remission. In höherem Maße als die Chemotherapie erreicht sie eine lokale Kontrolle des Tumors. In den letzten Jahren konnte dieser zunächst in retrospektiven Analysen nachgewiesene Effekt auch in prospektiv randomisierten Studien bestätigt werden. Die Kombination von Chemotherapie und Radiotherapie verbesserte signifikant die Überlebensdauer der Patienten und den Anteil der 2 Jahre und länger rezidivfrei überlebenden Patienten im initialen Stadium »limited disease«.

Das radiotherapeutische Zielvolumen richtet sich nach dem aktuellen Tumorvolumen im Anschluß an die Chemotherapie und schließt das Mediastinum immer, die Supraclaviculargruben nur elektiv ein. Zunehmend häufiger werden neben diesem sequentiellen Therapieansatz simultane oder alternierende Chemo-/ Radiotherapieprotokolle geprüft. Sie sind zwar mit einer höheren Toxizität belastet, können aber die medianen Überlebenszeiten und die 2- sowie 3-Jahres- Überlebensraten deutlich verbessern. Eine Dosis von 50 Gy (Einzelfraktion 1,8 Gy) sollte nicht unterschritten werden.

Nach neuesten Erkenntnissen sollte deshalb die Bestrahlung bei Patienten in gutem AZ innerhalb von 30 Tagen nach Chemotherapiebeginn im Rahmen eines kombinierten Therapiekonzeptes zum Einsatz kommen.

Das Risiko eines zerebralen Rezidivs nach Induktion einer Vollremission beträgt 20-40 %, bei Langzeit-Überlebenden liegt es noch deutlich höher. Bei etwa der Hälfte dieser Patienten ist gleichzeitig kein extracranielles Rezidiv nachweisbar. Die prophylaktische Bestrahlung des Hirnschädels mit z.B. 30 Gy (eventuell 36 Gy) bei Einzelfraktionen von 1,8-2 Gy über 3 Wochen reduziert dieses Risiko und damit die häufig verbundene subjektiv sehr belastenden klinischen Erscheinungen auf 5-8 %. Die adjuvante Hirnschädel-Bestrahlung sollte deshalb bei allen Patienten mit kompletter oder partieller Remission nach Abschluß der Mediastinalbestrahlung durchgeführt werden. Die Gesamtüberlebenszeiten können auch im Stadium ED verlängert werden.

Broschüre: Strahlen für das Leben - http://www.degro.org/broschuere_main.htm

Quelle: Leitlinien AWMF